Protagonist.
Ein Musikalischer Alleingang.
Die Band unter eigener Hirnschale.
1996. Ich photographiere Geräusche.
Die Schwerindustrie der Stadt liefert mir
eine Vielfalt an Klangfarben, Rhythmik.
"Geräusche"
Fabrikhallen! Sie sind einfach unfassbar!
Opernhäuser der Anorganik!
Die mächtigen Maschinen grooven unaufhaltsam.
Polyrhythmik! Es klingt nach Gangbang der Kolosse!
Sounds, die mich umgeben!
Keine Retorte!
Keine Werksounds
und erst recht keine vorgefertigten Grooves !!!
Das Atmen von Pneumatik,
das Knarzen eines Schiffstaus,
das Kreischen eines Kleinkindes,
das Summen einer Stubenfliege...
Immer tiefer grabe ich in die Welt der Töne.
Totales Hören!
Selbst das "Nichts" klingt in jeder Situation anders.
Es gibt keine leeren Räume in dieser Welt....
Alles was Geräusche entwickeln oder von sich gibt sammeln,
archivieren!
Digital, analog, elektronisch, akustisch, klassisch, ethnisch,
egal...
Sei es synthetisch erzeugt, aus der Natur gestohlen,
Industriell entstanden oder im klassischen Sinne
live eingespielt.
Geräte zur eigenen Klangentwicklung mussten her!
Digitale und analoge Aufnahmegeräte!
Midistationen!
Natur, Wasser, Vögel, Türen, Pneumatik, Hydraulik,
Stein, Holz, Schreie, Scharniere, Hebel, Schalter,
Kreischen, Quietschen, Stöhnen,
Schläge jeder Art, percussive, Flächen, Atmo...!
Ein wahrer Soundsupermarkt!
Ich muss mich bedienen!
Irrelevant, welche Soundkulisse mich umgibt:
Ihre Vielfalt inspiriert mich.
Immer stärker.
Immer wieder.
Eine Interaktion zwischen Krieg im Kopf und Krieg in Welt!
Zusammenzufügen!
Alles ist erlaubt!
Kein Bandmitglied, das in irgendeiner Weise Einfluss nehmen wird!
Die Band unter eigener Hirnschale!
Die Welt, wie sie in meinem Kopfe wohnt, also.
Ich bin ein Maler mit Klangfarben.
Ich mahle was ich will.
Ich nutze alle Farben.
Es spielt am Ende keine Rolle, welche Herkunft, aber:
Grooven muss es!!
Mein Ziel: So offen wie möglich kreieren!
Etwas ‚fast schön‘ zu gestalten!
Keine musikalische Erlösung zu suchen.
Immer geringer eingeschränkte Wahrnehmung von Geräuschen
hatte sich entwickelt!
Immer höhere Auffassungsgabe für die Sounds!
Wo immer ich mich befand, widmete ich mich seither
der Klangatmosphäre, die mich umgab.
Ich komme mit dem Editieren meiner Aufnahmen bis heute nicht nach!
ES entstand!
Natürlich kamen auch Drumcomputer zum Einsatz.
Ich programmierte jeden einzelnen Schlag der Grooves.
Aber um dem Vorhaben gerecht zu werden,
PROTAGONIST homogen und ‚biologisch‘ klingen zu lassen,
musste ein echter Schlagzeuger ran!
Nach langer Suche fand ich einen! TOBI GOETZ
All jene, im Laufe der Jahre entstandene Kleinstarbeit life,
und aus der Hand spielen...
Er spielte wie der Teufel!
Immer wieder musste das Schlagzeug während der Aufnahme
umgebaut und neu mikrophoniert werden, um den Sound
an die Klänge der Drummaschine und Samples anzupassen,
sie miteinander zu ergänzen, oder sie alternierend arbeiten
zu lassen, ohne das sie sich gegenseitig konkurrierten.
Der Tontechniker Sven Peks wusste genau was er tat...!
Im Kopf war ein Titel bereits fertig arrangiert,
bevor ich das Arbeiten im Studio begann.
Der Rest ist dann wie Onanie:
Die gesammelten Soundfotos animieren mich!
Die Komposition im Kopf liegt bereit,
die Gerätschaften sind das Ejakulationsorgan...
Wenn Du fertig bist, und Du gibst es Dir das erste mal passiv,
und es klingt dann so wie es in Deinem Kopf klang,
folgt meistens eine Endophinausschüttung beim Zuhören,
bei der Du Dir denkst:
Machs noch mal, Baby!!
Was für ein, außerordentliches Ereignis!
Programmieren ist echt sexy!!
Außerordentliche Suchtgefahr !